
Deutsche Baumpflegetage 2019
Interessantes aus Augsburg
Die Laubholzmistel
Am Beispiel der Streuobstwiesen zeigte Markus Rösler die steigenden Probleme mit Laubholzmisteln auf. Mangelnde Pflege der Streuobstflächen begünstigt die Ausbreitung der Mistel. Die luftigen Kronen, der rege Besuch von Vögeln in den Baumkronen und das Gerücht, die Mistel sei geschützt, führte dazu, dass sie sich fast ungehindert ausbreitete. Sie ist ein Halbschmarotzer, der durch ihre Saugwurzeln (Haustorien) Wasser und Nährstoffe aus ihrer Wirtspflanze saugt. Photosynthese betreibt sie selbst.
Baumpflegetage 2020
Die nächsten Baumpflegetage in Augsburg findet vom 21. bis zum 23. April 2020 statt.
Gründe für die Ausbreitung der Mistel sind vielfältig. Dabei sehen Forscher den Klimawandel als Hauptursache. Die dadurch entstehenden Trockenen und heißen Sommer schwächen die Wirtspflanzen und spielen der frostempfindlichen Mistel zu. Gleichzeitig sind auch die gute Nährstoffversorgung sowie Schwermetalle im Boden günstig für die Mistel. Speziell in Streuobstwiesen ist die größte Problematik die geringe Pflege der Bäume. Die Kulturlandschaft ist nicht mehr rentabel und deren Pflege zu teuer und aufwendig.
Die Bekämpfung der Mistel beruht auf einer regelmäßigen Pflege der Obstbäume. Gerade in der blattlosen Zeit fällt es Baumpflegern leicht, die Mistel zu entfernen. Das bloße Abschneiden der Mistel ist für die Bäume bereits eine Erleichterung, da die Mistel pro Jahr nur eine Verzweigung ausbildet. Bei geringem Befall können betroffene Äste ganz entfernt werden. Die Wurzel der Mistel ist nur dann gänzlich entfernet, wenn 30 Zentimeter ins gesunde Holz zurückgeschnitten wird.
Die Gefahr des Eichenprozessionsspinners
In den letzten Zwanzig Jahren vergrößerte sich das Verbreitungsgebiet des Eichenprozessionsspinners enorm. Damit geht nicht nur ein erhöhter forstlicher Schaden einher, sondern auch die Gefahr für Menschen steigt. Denn die Raupen des Eichenprozessionsspinners haben giftige Brennhaare, die Atemnot, Ausschläge und Allergische Reaktionen auslösen können. Die mikroskopisch feinen Härchen werden bei jeder Häutung mehr und bleiben auch nach der Verpuppung der Raupen in den angelegten Gespinsten aktiv.
Um sowohl forstliche, als auch gesundheitlichen Risiken vorzubeugen, wird es immer wichtiger, eine Strategie für den Umgang mit den Raupen zu finden. Bei starkem Befall, und vor allem an Orten mit hoher Frequentierung, ist die Bekämpfung unumgänglich. Mechanische Entfernung der Raupennester, Biochemische Behandlung der frühen Raupenstadien oder das Absperren betroffener Gebiete muss je nach Befall gegeneinander abgewogen werden.
In einer Zeit, in der sich das Klima rasch ändert, müssen sich Baumpfleger auf neue Krankheiten und Schädlinge einstellen. Eine Aufgabe, die noch nicht zu Ende ist.
Methoden der Baumkronenforschung im Wald
In den letzten Jahren entwickelten sich immer bessere Methoden, um die Kronen der Bäume zu erforschen. Ob mit Seilklettertechnik, Hebebühnen, Kränen, festen Gestellen, Baumkronenpfade oder Plattformen – die Forschung geht in diesem Bereich immer weiter. Nicht nur die Erforschung von Sonnen- und Schattenkrone der Bäume, sondern auch die in der Krone lebenden Tiere, Moose, Flechten und niedrigen Pflanzenarten gehören zu den Themenbereichen.
Mit Hilfe dieser Zugangstechniken liegen Forschern die Kronen der Bäume offen. Sie erforschen die Kohlenstoffspeicherung, die Reaktion der Bäume auf Trockenstress und Hitze, die Unterschiede innerhalb des Kronenaufbaus, sowie die Artenvielfalt. Der Top-Down Ansatz in der Kronenforschung führt zu mehr Verständnis der Wälder und ihrer Struktur. Welchen Einfluss haben Blattfressende Insekten auf den Nährstoffhaushalt des Bodens? Wie viele Schadstoffe wäscht der Regen von den Blättern? Und in welchem Teil der Krone herrscht die höchste Luftfeuchtigkeit? All diese Fragen lassen sich nur direkt in der Baumkrone beantworten.
Durch den Bau zahlreicher Kronenzugangstechniken wurde auch die Öffentlichkeitsarbeit auf die Baumkronen aufmerksam. Baumkronenpfade finden sich mittlerweile überall in Deutschland und sind gerade für Familien eine echte Sensation!
Praktisches aus dem Kletterforum
Auch im Kletterforum Gaben Baumpfleger neue Wege, spannende Techniken und faszinierende Erfahrungen ans Publikum weiter. Ob Klemmknoten, Ankerpunktbelastungen oder der Bau von Baumhäusern, für jeden Arbeitsbereich waren interessante Themen dabei. Praktische Vorführungen wechselten sich mit Vorträgen ab und gaben einen Querschnitt durch die unterschiedlichen Arbeitsbereiche rund um den Baum.
Passend zur Vorstellung des Eichenprozessionsspinners in den Vorträgen, hatte im Kletterforum die passende Ausrüstung zur Bekämpfung der Raupen ihren Platz. Die größte Frage bezieht sich auf die Anzüge, welche der Baumpfleger zu seinem eigenen Schutz trägt. Diese bieten Händler als Einweg- oder Mehrwegkleidung an. Welche Version die bessere ist, hängt vom jeweiligen Einsatzzwecke ab.
Jahrbuch der Baumpflege
Das Jahrbuch der Baumpflege erscheint jedes Jahr zu den Baumpflegetagen und ist das Nachschlagewerk zu allen Vorträgen. Bestellbar über das Forum Baumpflege.
Neuheiten 2019
Die Kollegen vom Freeworker-Blog haben sich auf der Messe in Augsburg umgesehen und auf ihrem Blog Neuheiten, überarbeitete Produkte und Prototypen für Baumkletterer zusammengefasst.
Weitere interessante Themen auf den Baumpflegetagen waren Bäume und ihre Bedeutung auf Dämmen; gute Wege, mit unterschiedlichen Charakteren in Kletterkursen umzugehen; Kronensicherungen und ihre Einsatzmöglichkeiten und der Wurzelschutz an Straßenbäumen. Für genauere Informationen bestellen Sie das Buch „Jahrbuch der Baumpflege 2019“. Es beinhaltet alle Themen der Augsburger Baumpflegetage.
Die Autorin: Marina Winkler
Ihr Baumpfleger vor Ort hilft Ihnen gern weiter!
Alle Baumpfleger in Ihrer Nähe finden Sie auf Baumpflegeportal.de! Über die Suchfunktion des Baumpflegeportals finden Sie schnell einen qualifizierten Baumpfleger.